Freitag, 18. Dezember 2009

Hey Frau Holle, hey Frau Holle, sag was machst du mit dem Schnee? Sag mal hast du den im Kuehlschrank, oder kochst du damit Tee?





Ein Morgen wie jeder andere.
Ich oeffne meine Augen, kurz nach Andrea, die seit ihrer Ankunft vor eineinhalb Wochen den Rekord des fruehen Aufstehens regelmaessig neu bricht.
Andrea ist gebuertige Oesterreicherin und bringt taeglich ein grosses Mass an Geduld und Anstrengung fuer uns auf, oder wir eher fuer sie?
Am anderen Ende der Welt wird einem dann ploetzlich klar, deutsch ist nicht gleich deutsch!
In Oesterreich wird eindeutig unzweideutig oesterreichisch gesprochen.
Topfen statt Quark sag ich da nur...
Wir drei haben uns auch gleich in ihrem heimatlichen Familienbetrieb, dem Glungezer Hotel, eingeladen.
Dos gibt a Bretteljausen, wenn moa wiedoer do sein, sog i dir!
So kommen wir gleich in den Genuss zwei, statt wie erwartet nur eine neue Fremdsprache zu erlernen. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Fragt sich nur noch was uns am Ende leichter fallen wird.
Ich stehe also auf, fruestuecke waehrenddessen Andrea schon neben mir Platz genommen und Thesi mit einiger Anstrengung doch noch den taeglichen Weg aus dem Bett gefunden hat.
Nach der Saettigung folgt die Reinigung, also ab unter die Dusche.
Ein Schrei, ein Klingeln des Telefons und die aufgeloeste, vollkommen aufgeregte Thesi vor der Badezimmertuer. „Na, geh doch ran!“... „Hola.“... „Si, one moment!“... „RIAH, es ist Post im Hotel angekommen, Daniela denkt es ist fuer dich.“
So kurz und effektiv reinigend habe ich in meinem gesamten Leben noch nie zuvor geduscht. Die Strassenverkaeufer vor unserer Haustuer konnten nur noch einen Schweif , auf Grund der Ueberschallgeschwindigkeit von Thesi und mir auf dem Weg zum Hotel wahrnehmen.
Die Weihnachtsgepflogenheiten in diesem Land sind mit den europaeischen, nein deutschen, nein unseren, kaum zu vergleichen. Es ist eher so, dass man sich zwischen zwei unterschiedlichen Dimensionen der Auffassung des Begriffes Weihnachten befindet.
Es gibt keine:
echten Weihnachtsbaeume
Lichter in den Fenstern der Wohnhaeuser
schoenen Weihnachtslieder
Weihnachtsmaerkte
Kaelte, geschweige denn milde Temperaturen
Raeuchermaennchen, Lichterpyramiden, Adventkraenze oder andere Weihnachtsacessoires
selbstgebackene Plaetzchen von Mama
Sage vom Nikolaus (Am 6.12. liegt einfach nix im chilenischen Schuh, es sei denn man hat, so wie wir, einen kleinen Friedrich mit im Gepaeck der gute Connections zum Nikolaus hat )
traditionellen Advents-Sonntage

Dafuer gibt es :
ein Gefuehl des taeglichen Zerschmelzens, bei dreissig Grad im Schatten
an jedem Sonntag eine teigige Delikatesse von Riah
ein einziges Weihnachtslied in allen Supermaerkten ( Navidad, Navidad, hoy es Navidad...)
krampfhafte Versuche das Gefuehl „Weihnachten“ doch noch in unsere Emotionen zu integrieren
staendig kalten Pfefferminz Tee zum abkuehlen

Tja, aber wie wir alle wissen heisst es doch so schoen: „Wer das eine will, muss das andere moegen.“.
So haben wir waehrend der vergangenen 3. Adventssonntage jedes Mal auf`s Neue versucht, eine kleine Oase der uns allen bekannten Weihnacht im Apartement B, Piso 4, in der Pio Nono 93 zu erschaffen.

Die Tuer zum Hotel oeffnet sich und wir entern die Rezeption. Mit einem Paeckchen haette ich ja gerechnet, aber die Anstrengung die Daniela aufbringen musste, um dieses ausgewachsene Etwas eines Paketes hoch zu hiefen, hat mich dann doch ein wenig ueberrumpelt. Ich hielt es in meinen Haenden. Endlich.
4 volle Stunden habe ich mit dem auspacken dieses kleinen Stueckchens „Heimat“ verbracht. Jeden Klebestreifen oder Gummi mit viel Sorgfalt und Hingabe einzeln entfernt, um mir ganz sicher zu sein, nichts zu uebersehen und den Moment so lange wie moeglich in die Laenge zu ziehen. Thesi wurde immer hibbeliger neben mir, dauerte es fuer sie doch ewig, bis endlich was vom Inhalt an die Oberflaeche trat.
Nach diesem Fest des Geschenke auspackens sassen wir drei, Thesi, Andrea und ich am gedeckten Kaffeetisch bei Buttermandel-Spekulatius mit Wintertraum-Zimtstern-Orange-Tee, auf dem Tisch unser eigens kreierter Adventskranz, das neue Raeucherhaeuschen inklusive den kleinen-aber-feinen-Knox-Raeucherkerzchen (24 an der Zahl) und unserem Weihnachtsengel Paulinchen.

Beinahe haette es draussen angefangen zu schneien...
die Schneeflocken haben wir schon gespuert...

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