
Chile ist wieder regiert.
Ich steige die letzten Treppen der Metro empor.
Oh Nein! Ich kann sie sehen. Schon wieder kann ich sie sehen.
Flaggen, Menschen...viele Menschen, Autos mit Boxen die in der Endlosschleife die eigens komponierten Titel spielt, Carabineri's, Konfetti das durch den seicht wehenden Wind wie ein Schneegestoeber auf dem warmen Asphalt wirkt...
Seit dem 17.01.2010 gegen 19:00 Uhr Ortszeit steht der neue Praesident Chiles offiziell fest.
Nach 20 Jahren der Links-Regierung, wird nun der Kurs gewechselt und die konservativen Kraefte bekommen mit der Hilfe von Sebastian Pinera die Macht in diesen Landen!
Wurde aber auch Zeit. Zum Glueck gibt es bei einer Stichwahl nicht die Chance auf eine erneute Wahl, womit wir alle von den staendig in unseren Gesichtern wedelnden Flaggen der jeweiligen Anhaenger einer entsprechenden Partei fuer immer befreit sind.
Dieses Land mag einem lange normal vorkommen, anders zwar mit den europaeischen Maßstaeben im Hinterkopf, aber trotz alledem doch irgendwie normal.
Betritt man dann allerdings, wenn auch nur aus Versehen das Gebiet der Politik, wird es sehr eigenartig, fast suspekt und man fuehlt das spaetestens dies der Punkt ist an dem sich die Geister scheiden.
Man bekommt als Staatsbuerger dieses Landes die einmalige Gelegenheit sich mit dem Eintritt in das 18te Lebensjahr dafuer zu entscheiden, ob man an den Wahlen teilnehmen moechte oder nicht. Will man nicht, macht man es nicht. Nie mehr! Dies ist eine entgueltige Entscheidung auf Lebenszeit.
Somit ist mindestens die Haelfte der Bevoelkerung bei so einer Wahl des Staatspraesidenten schon mal aussen vor.
Die uebriggebliebene Haelfte, die sich ebenfalls auf Lebenzeit verpflichtet, hat allerdings an einem harten Stueckchen Brot zu knabbern. Kommt man ohne vorhergehend fundamentale Entschuldigung im zustaendigen Amt der Carabineri's nicht zur Wahlurne, wird einem ein Bussgeld aufgehalst, welches sich umgerechnet auf 300 € bezieht, und bei Geldfluss-verstopfung mit einem Aufenthalt von 3 Tagen im Gefaengnis aufgerechnet wird.
Ebenfalls ist es Brauch sich immer wieder in der Stadt der persoenlichen ersten Teilnahme zu melden, das bedeutet fuer Einige einen weiten Weg. Man beachte die Distanzen die es hier zu bestreiten gilt,kommt es doch zu oft vor, das man sich zweimal alle vier Jahre an der Urne trifft um sich dem 50%+1 Mehrheits-prinzip dieses Staates zu beugen, das ein jeder erreichen muss, will er das heiss begehrte Amt einmal als das seinige bezeichnen.
In den vergangen Tagen wurde noch einmal alles, an zur Verfuegung stehenden Artillerie, aufgefahren.
Jedes kleine Kind, was in der Lage ist zu wiederholen, kennt den politischen Liebling seiner Eltern und hat, wenn selbst kaum faehig eigenhandig aus einem vollen Glas zu trinken, gelernt eine Fahne zu halten.
Komplette Strassenkreuzungen wurden waehrend jeder Rotphase von den feiernden Massen in Beschlag genommen und dabei von zusammengewuerfelten und improvisierten Fanfarenzuegen unterstuetzt und angeheizt.
Vorbei der Mai kann ich da nur sagen.
Mal schauen wie sich der neue Mann an der Spitze, nebenbei bemerkt auch der Besitzer der wichtigsten Fluggesellschaft (LAN CHILE) und einem der fuenf manchmal gut empfangbaren Kabelferhsehsender (CHILE VISION), machen wird.
Wenn wir, nein, der restliche Teil der Bevoelkerung Pech hat, enden sie vielleicht alle in einem Gruselkabinett, aehnlich wie wir bei unserem letzten Ausflug ins Fantasilandia...
Dran bleiben lohnt sich!
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