Dienstag, 9. Februar 2010

Lieber einen praegenden Moment statt einer bestaendigen Straehne...

Neuigkeiten!! Neues zu berichten... Neuigkeiten!

Es ist in aller Munde und um dem wilden Treiben der Geruechtekueche ein Ende zu setzen, hier nun die Realversion der ganzen Misere:
Wir tragen alles bei uns. Wertpapiere in der Brusttasche, Geld im BH und dem Schluepfer und die Kamera um den Hals...Nichts kann uns und unseren Sachen mehr geschehen...aber eben jetzt nicht mehr...
Aus Fehlern lernt man halt.
Eingeschlafen sind wir allesamt, als das grosse Ungleuck geschah. Einfach so verschlummert haben wir es. Um so schlimmer war dann das Erwachen in der Wirklichkeit mit nur noch 5 statt normalerweise 6 Rucksaecken... Zwei Stunden waren wir nur von Temuco nach Villarica unterwegs. Zum ersten Mal gehen wir unserer Stammcompany TURBUS fremd und trauen uns in einen fremden Bus namens JAC, haetten wir mal lieber lassen sollen.
Legt einem die deutsche Botschaft doch auch Nahe, das in Temuco Buergerkrieg herrscht und taegliche Ausschreitungen ganz oben auf der Tagesordnung stehen ... Ohne Worte, haetten wir mal lieber auf die deutsche Botschaft gehoert.
Unsere Geister erwachen an der Busstation in Villarica und greifen mittlerweile automatisiert nach allen Sachen und suchen den Ausgang zum Restgepaeck an der Aussenklappe. Eine Hand greift ins Leere...Thesi's!
Der Rucksack mit allen Papieren, Versicherungen, Kamera, MP3-Player, Tagebuch, Flugtickets....will und will auch beim 10 Mal hinschauen einfach nicht auftauchen.
Was fuer ein Gefuehl wenn man merkt das die eigene Reisegruppe sich keinen schlechten Scherz erlaubt, sondern sich ein chilenischer Langfinger an uns bereichert hat!
Was bleibt sind wir, 3 Kraxen, 2 Rucksaecke, 1 Zelt und eine verdatterte Thesi am Bahnsteig, der im Sekundentakt der gesamte Inhalt ihres Rucksacks bewusst wird.
Alles lief gut bis jetzt. Das Glueck war unser staendiger Begleiter und nach diesem kurzen Stromausfall in der Zentrale des Gluecks besuchte es uns auch gleich wieder. Ich schaetze eher aus Anstand als aus Mitleid.
Die Besitzer des Hostals in dem wir nun 3 statt wie geplant nur 2 Naechte verbracht haben, waren Schweitzer und von der Vorwoche schon durch drei Daenen mit diesem Problem und ersten Handlungsschritten bestens befasst.
Sachen abgeladen, kurze Ruecksprache mit Daheim, eingeleitet durch den immer wieder verlaesslichen Rick und ab zu den Carabineri's und dem Formular der notwendigen Constancia fuer die deutsche Versicherung...
Da es in der Polizeistation in Villarica nicht moeglich ist Papier sofort zu unterschreiben, sondern Herr Chefe erst nach dem Kaffee seine Autogrammstunde hat, konnten wir den offiziellen Zettel erst heute abholen und nun kam der harte aber notwenige Punkt der kurzweiligen Trennung unserer Gruppe.
Bestand zuert noch die Hoffnung nur nach Temuco in Honorarconsulat fahren zu muessen, welches sich uebrigens zwischen Klodeckeln und Gaskochern in einem Haushaltswarengeschaeft eingerichtet hat, kam am Ende doch nur noch Santiago in Frage, schon rein aus finanziellen Gruenden, da der guten Thesi dadurch Unterkunfts- und Zustellungskosten vollkommen erspart bleiben.
Thesi ist mittlerweile in Santiago angekommen und kuemmert sich so schnell wie moeglich um Pass und Visum um uns in hoffentlich schon einer Woche wieder weiter Richtung Sueden begleiten zu koennen, waehrend wir heute in Valdivia, der laut Susanne schoensten Stadt Chiles, angekommen sind.
Hoffen wir das alles gut wird, gibt es doch nur einen einzigen Fotografen in ganz Santiago, der in der Lage ist biometriefaehige Passfotos herzustellen.
Gut Ding will Weile haben und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Schakka meine kleine Thesi... Mir druecken dir die Daumen und ham disch lieb!

Dienstag, 2. Februar 2010

Fledermaus und Sonnenbrand







Vamos a la Playa...o oho oho...

Ed ist unser Begleiter. Zum ersten Mal seid, ich weiss schon nicht mehr wann, machen wir uns wieder auf den Weg in ferne Weiten, weit ab von dem uns langweilig und laestig gewordenen Santiago de Chile.
Valparaiso ist das Ziel.
Eddie kommt aus England, beschreibbar als waschechter Fussballfan (Wie koennte es auch anders sein?) und Filmstudent mit vollen 25 Jahren und zurzeit auf einer Suedamerikareise, die seit dem Moment ins stocken gekommen ist, als er seinen ersten Schritt ins HappyHouse taetigte und sich mit dem gesamten Staff von Beginn an blind verstand!
Gelandet sind wir alle in einem super coolen LimonenHausHostal...
Im Hostal lief alles wie am Schnuerchen. Essen wurde gekocht, Geschirr abgewaschen, wobei zu bemerken ist, das der liebe Ed nur sehr knapp von einem Finger-Handwurzelknochen-Krampf verschont wurde, hat der Gute doch seit 4 Monaten keinen dreckigen Teller mehr selber saeubern muessen, da es laut eigenem Erleben in ganz Suedamerika ein gesamtes Mal fuer nur 2 Euro geben soll und somit Gemuetlichkeit und Appetit auf einen angenehmen Nenner gestossen sind.
Nebenbei gab es zur vollkommenen Erheiterung aller auch noch eine total neue Abwechslung im ganz normalen Reisealltag...Was man nicht alles macht wenn man genug Zeit, Muse und Hoehe hat! Artistische Talente, seit Kindszeiten versteckt und unentdeckt, wurden zum Vorschein gebracht und erlebten ihre ersten Hoehepunkte!
Im Rahmen des zur Zeit im Orte weilenden Tangofestivals, wurden diese jedoch von anderen weiter ausgelebt und perfektioniert vorgefuehrt!

Ausserhalb des Hostals kam unsere europaeische Schneewittchenhaut zum ersten Mal an ihre Grenzen...von Wegen super Schutz mit neuer Hyperformel fuer schnelleres Einziehen und weniger Cremespuren...Nischt is, ausser verbrannten Wadeln und Schwimmringchen die wir uns beim Schlummern am Strand und dem Laufen durch die bergige Kleinstadt bzw. Benutzen der doch so typischen Cabelcars zugezogen haben.

Aber auch das werden wir ueberleben und wieder haben wir gelernt. Diese Erfahrung mit 20 Kilo schweren Kraxen auf dem geroesteten Ruecken bleut sich unweigerlich wie von selbst mit der Intensitaet eines Loetkolbens ins Langzeitgedaechtniss ein!

Valpo wie es von allen Chilenen liebevoll oder aus Mundfaulheit genannt wird, war cool und ein schicker Stop vor dem grossen Aufbruch...
Vamos al Sur!

Liebe ist...







...wenn uns unsere Gastomi und ihr Opi ihre, hier in Chile existentiellen, Personalausweisnummern auswendig gegenseitig aufsagen koennen!

Etappe 3 hat seit dem 1. Februar begonnen. Unser Weg bahnt sich al Sur und wir meisstern ihn bis jetzt, wie gewohnt, mit Bravur.
Nachdem wir unsere, mit viel Liebe vorbereitete, Abschieds-Terassen-Party vollfuehrt haben und sich waehrend dieser herausstellte, das der von uns als so "typisch deutsch" verkaufte Kartoffelsalat bei den Chilenen als "Ensalda Russo" bekannt ist, also eher russisch als deutsch, haben wir uns nun endlich aus der smogverseuchten Metropole davon geschlichen.
Es stellt sich mittlerweile eine nachvollziehbare Stimmungskurve in unserer Reisegruppe ein. So durchleben wir immer weider unserer meditativen und in uns zurueck gezogenen Phasen, wenn wir all unser Hab und Gut in einen 70 Liter Rucksack verstauen... Ein Drahtseilakt mit angemessenem Knobelfaktor...Wo die Schlueppi's hinpacken, wenn man sie beim neachsten Mal braucht...oder die dicken Sachen: Immer ein kleines Problemkind bei Reisen wie diesen...Ganz nach unten? Schlecht wenn es kalt wird. Oben? Nicht gut, muss man immer auspacken, wenn man an die einfachen Dinge ran will...
Jeder findet seinen eigenen Weg.
Candy ist mehr so der Stopfer, der vorhandene Luecken mit den kleinen Dingen ausfuellt.
Thesi und ich dagegen sind doch eher Befuerworter der Tuetenvariante, in der Sachen nach Kategorien abgeteilt eingetuetet und auch noch gerollt werden, um hoffentlich mehr Platz zu schaffen.
Wie wir feststellen mussten sind Kraxen und violette Nacken keine zu empfehlende Mischung, also haben wir uns auf die Tradition besonnen und pflegen die uns eigene europaeische Haut nun taeglich sobald die Sonne uns zum ersten Mal kitzelt mit Schutzmitteln, um dem immer naeher rueckenden Ozonloch, welches sich direkt ueber Punta Arenas befindet, ein Schippchen zu schlagen.
Talca, unser erster Punkt auf der noch kommenden Reiseroute, hat uns das Ehepaar Gonzalez beschehrt. Mit Kittelschuerzchen, dicken Brillenglaesern und jeder Menge im Ruhestand verweilender Gelassenheit zweier Ex-Lehrer, wurden wir begruesst.
Im Wohnzimmer der Familie in der man die Elefantensammlung von Ihr und die Creditkartensammlung von ihm bestaunen kann, gab es den Check-in und ein anschliessendes waermendes Mahl mit Gemuesesueppchen.
In Talca gibt es vielleicht nicht viel, aber dafuer den Ausgangspunkt fuer die einzig waagerecht verlaufende Eisenbahnstrecke im gesamten Land.
Da liessen wir uns natuerlich nicht lumpen und nahmen Platz...im Einstieg, denn wer zu spaet kommt verpasst das Beste...
trotzdem wurden wir mit leckerem Tee und Butterbroetchen versorgt. Auf halber Strecke gab es sogar die Moeglichkeit Brot, Eier, Kaese und Kuchen direkt von den Einwohnern zu kaufen! Que rico!!
Immer wieder ein Genuss diese chilenische einfache Haumannskost...so einfach, aber so lecker kann es sein. Cazuela, die chilenische Suppe ueberhaupt, haben Candy und Thesi noch beim Mittagessen in einer als Restaurant umgebauten Garage zu sich genommen. Ansonsten kann man in einem vertraeumten Fischerdorf welches Constitution definitiv ist eh nichts weiter machen. Also wieder den Gaumen geschult...

Das war Talca...ab geht's nach Temuco. Mit grossen Schritten geht es voran...