Donnerstag, 31. Dezember 2009

...und wieder Einer/Eins rum...

09:30 – Riah steht auf.
10:00 – Candy pellt sich aus dem Schlafsack, nach dem Riah geduscht und der Tisch gedeckt ist.
10:10 – Thesi steht auf.
10:15 – Fruehstueck
10:45 – Umzug auf die Couch ( Nachgang der individuellen Freizeitinteressen )

Candy = schnuffeln, mit Nili kuscheln, lesen
Thesi = schlafen, Player hoeren, kochen
Riah = lesen, Blog / Buechlein schreiben

13:20 – 6. Schulstunde vorbei = langsames aber sicheres Vorbereiten fuer den Arbeitsantritt
14:30 – Thesi auf dem Weg (Fuss)
15:00 – Riah, abhaengig von Tagesstimmung und Verfuegbarkeit, auf dem Weg (Fahrrad/Metro)
15:28 – Candy auf dem Weg zum Arbeitsantritt
15:30 – offizieller Arbeitsbeginn
16:30 – unangekuendigtes Staff-Meeting
20:00 – Oeffnungszeit der Bar im HappyHouse (Thesi's Hauptsitz)
22:30 – eigentlicher Arbeitsschluss
22:38 – warten auf Daniela
22:49 – Daniela...Ich weiss nicht wann sie kommen wird, aber dafuer weiss ich, was die Metro in 10 min. fuer diese Nacht auf jeden Fall tun wird, naemlich ihre Tore schliessen!!
22:55 – Halleluja!! Da isse endlich. Ab geht die Lutzi!...Gerade noch geschafft...
23:20 – Ankunft „zu Hause“, mit etwas Glueck ist der Rest noch wach, oder hat sogar was gekocht...
00:50 – Schlafenszeit...Morgen ist ja schliesslich wieder ein anstrengender Arbeitstag! Friedrich hat sogar die Fruehschicht fuer morgen abbekommen → 06:45 - aufstehen und duschen!

Ein ganz normaler Tag in einer voruebergehend angesiedelt und festgelebten Reisegruppe, wie wir sie sind.
Alle Angaben sind ohne Gewaehr, nicht durch den Rechtsweg anfechtbar und als reine Richtlinie fuer einen normalen Wochentag im Hause RiahCandyThesiAndrea zu verstehen.
Kommt es doch mal zu den raren Momenten in denen wir (wenigstens) 3 einen Abend zusammen Zeit haben, so wird dieser natuerlich unabhaengig von Wochenend-Tagen ausser Haus genossen.
Man nimmt was man kriegen kann!

In diesem Sinne, wir haben die Tage zuvor geschafft, also werden wir die paar kommenden auch noch schaffen.
Bis es endlich wieder heisst: Ab geht er der Peter, gen Sueden in die Kaelte.

Feliz Ano nuevo!!

(Wir haben zwar noch vier Stunden mehr Zeit, aber Franzi hat es ja zum Beispiel schon hinter sich
Unabhaengig von Raum und Zeit: Frohes Neues! Lasst es euch gut gehen und wir sehen uns im neuen Jahr.)

Mit freundlichen Gruessen,
Eure Reisegruppe

Freitag, 18. Dezember 2009

Hey Frau Holle, hey Frau Holle, sag was machst du mit dem Schnee? Sag mal hast du den im Kuehlschrank, oder kochst du damit Tee?





Ein Morgen wie jeder andere.
Ich oeffne meine Augen, kurz nach Andrea, die seit ihrer Ankunft vor eineinhalb Wochen den Rekord des fruehen Aufstehens regelmaessig neu bricht.
Andrea ist gebuertige Oesterreicherin und bringt taeglich ein grosses Mass an Geduld und Anstrengung fuer uns auf, oder wir eher fuer sie?
Am anderen Ende der Welt wird einem dann ploetzlich klar, deutsch ist nicht gleich deutsch!
In Oesterreich wird eindeutig unzweideutig oesterreichisch gesprochen.
Topfen statt Quark sag ich da nur...
Wir drei haben uns auch gleich in ihrem heimatlichen Familienbetrieb, dem Glungezer Hotel, eingeladen.
Dos gibt a Bretteljausen, wenn moa wiedoer do sein, sog i dir!
So kommen wir gleich in den Genuss zwei, statt wie erwartet nur eine neue Fremdsprache zu erlernen. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Fragt sich nur noch was uns am Ende leichter fallen wird.
Ich stehe also auf, fruestuecke waehrenddessen Andrea schon neben mir Platz genommen und Thesi mit einiger Anstrengung doch noch den taeglichen Weg aus dem Bett gefunden hat.
Nach der Saettigung folgt die Reinigung, also ab unter die Dusche.
Ein Schrei, ein Klingeln des Telefons und die aufgeloeste, vollkommen aufgeregte Thesi vor der Badezimmertuer. „Na, geh doch ran!“... „Hola.“... „Si, one moment!“... „RIAH, es ist Post im Hotel angekommen, Daniela denkt es ist fuer dich.“
So kurz und effektiv reinigend habe ich in meinem gesamten Leben noch nie zuvor geduscht. Die Strassenverkaeufer vor unserer Haustuer konnten nur noch einen Schweif , auf Grund der Ueberschallgeschwindigkeit von Thesi und mir auf dem Weg zum Hotel wahrnehmen.
Die Weihnachtsgepflogenheiten in diesem Land sind mit den europaeischen, nein deutschen, nein unseren, kaum zu vergleichen. Es ist eher so, dass man sich zwischen zwei unterschiedlichen Dimensionen der Auffassung des Begriffes Weihnachten befindet.
Es gibt keine:
echten Weihnachtsbaeume
Lichter in den Fenstern der Wohnhaeuser
schoenen Weihnachtslieder
Weihnachtsmaerkte
Kaelte, geschweige denn milde Temperaturen
Raeuchermaennchen, Lichterpyramiden, Adventkraenze oder andere Weihnachtsacessoires
selbstgebackene Plaetzchen von Mama
Sage vom Nikolaus (Am 6.12. liegt einfach nix im chilenischen Schuh, es sei denn man hat, so wie wir, einen kleinen Friedrich mit im Gepaeck der gute Connections zum Nikolaus hat )
traditionellen Advents-Sonntage

Dafuer gibt es :
ein Gefuehl des taeglichen Zerschmelzens, bei dreissig Grad im Schatten
an jedem Sonntag eine teigige Delikatesse von Riah
ein einziges Weihnachtslied in allen Supermaerkten ( Navidad, Navidad, hoy es Navidad...)
krampfhafte Versuche das Gefuehl „Weihnachten“ doch noch in unsere Emotionen zu integrieren
staendig kalten Pfefferminz Tee zum abkuehlen

Tja, aber wie wir alle wissen heisst es doch so schoen: „Wer das eine will, muss das andere moegen.“.
So haben wir waehrend der vergangenen 3. Adventssonntage jedes Mal auf`s Neue versucht, eine kleine Oase der uns allen bekannten Weihnacht im Apartement B, Piso 4, in der Pio Nono 93 zu erschaffen.

Die Tuer zum Hotel oeffnet sich und wir entern die Rezeption. Mit einem Paeckchen haette ich ja gerechnet, aber die Anstrengung die Daniela aufbringen musste, um dieses ausgewachsene Etwas eines Paketes hoch zu hiefen, hat mich dann doch ein wenig ueberrumpelt. Ich hielt es in meinen Haenden. Endlich.
4 volle Stunden habe ich mit dem auspacken dieses kleinen Stueckchens „Heimat“ verbracht. Jeden Klebestreifen oder Gummi mit viel Sorgfalt und Hingabe einzeln entfernt, um mir ganz sicher zu sein, nichts zu uebersehen und den Moment so lange wie moeglich in die Laenge zu ziehen. Thesi wurde immer hibbeliger neben mir, dauerte es fuer sie doch ewig, bis endlich was vom Inhalt an die Oberflaeche trat.
Nach diesem Fest des Geschenke auspackens sassen wir drei, Thesi, Andrea und ich am gedeckten Kaffeetisch bei Buttermandel-Spekulatius mit Wintertraum-Zimtstern-Orange-Tee, auf dem Tisch unser eigens kreierter Adventskranz, das neue Raeucherhaeuschen inklusive den kleinen-aber-feinen-Knox-Raeucherkerzchen (24 an der Zahl) und unserem Weihnachtsengel Paulinchen.

Beinahe haette es draussen angefangen zu schneien...
die Schneeflocken haben wir schon gespuert...

Donnerstag, 17. Dezember 2009

"Lies mal in den Ameisen und sag mir wie spaet es ist."








„Wir muessen mit der Metro bis „Pedro de Valdivia“ und dann weiter mit dem Bus 103 .“

Na gut Friedrich, wenn du es sagst!
Wenn Friedrich eines Tages mal heraus bekommen sollte, dass wir uns nur zu gerne auf seinen ausgepraegten Orientierungssinn verlassen, dann koennte es uns eines Tages vielleicht mal boese erwischen! Wer weiss was Friedrich am Ende mit uns vor hat? Vielleicht hat er sich die ganze Zeit als ein aktives Mitglied einer Untergrundorganisation in unserer Reisegruppe eingeschleust, um uns von unserem Vorhaben abzubringen oder uns eine Falle zu stellen...uijuijui...
...So etwas sollte man sich besser gar nicht erst ausmalen! Das ist auch nicht noetig. Bis jetzt schenken wir Friedrich immer noch jede Menge Vertrauen, da es keine weiteren Anzeichen auf Gefahr gab.

Jedenfalls sind wir mit dieser praegnaten Richtungsweisung auch wirklich beim ManuChaoConcert, in Santiago de Chile im Velodromo am 26.11.2009 um 20:00 Uhr, angekommen!
Muy Bien, kann ich da nur sagen! Muy Bien!
Fuer alles ist bei so einem Konzert gesorgt! Auf dem Weg zum Einlass gibt es alles was das Konzert-Besucher-Herz begehrt.Neben ManuChao-Stickern, Armbaendern, Postern, Kopftuechern, Cola, Essen (bevorzugt Completo's oder Pizzen, direkt auf dem rangeholten Grill zubereitet) und noch zu verkaufenden Restkarten, die ab und zu in unsere Gesichter wedeln, gibt es auch in dem bereits wartenden Publikum jede Menge Artisten, die ihre Kunststuecke stehend auf einem ihrer Freunde vollfuehren. In Germany sitzen die Menschen alle auf den Schultern, wenn sie es denn tun. Hier gehen wie immer Alle aufs Ganze und stehen gleich komplett auf ihrem Untermann.

So schlaengelt sich die Masse an Menschen voran...eine Pilgerfahrt ins 3 ½ Stunden andauernde Schlaraffenland...
3 ½ Stunden Musik vom Feinsten mit schaetzungsweise 15000 Leuten, die sich ihrem Schicksal hingaben und in der Masse eins mit der Musik und denen sie umgebenden Leuten wurden.
Mensch, und dazu gab es auch noch einen Panoramablick auf die Anden inklusive.
Das Publikumsverhalten Suedamerikas ist jedoch in keinem Maße vergleichbar mit dem in Europa.
Vergleicht man das Verhaeltnis von Applaus und Zugaben, dann kommt man auf die perplexe Schlussfolgerung: Weniger ist mehr!
In Deutschland ist es mir auf einem Konzert noch nie passiert, dass ich mich beim Klatschen selber gehoert habe. Hier war das pretty easy.. Eine Utopie in unserer Heimat.
Hierbei sei jedoch nicht ausser Acht zu lassen, dass sich unabdingbare Parameter leicht verschoben haben koennten. Zum Beispiel besteht die Moeglichkeit, dass ich an diesem Abend einfach lauter als jemals zuvor in meinem gesamten bisherigen Leben applaudiert habe oder dass es einfach dem Charakter der Band entspricht ohne viel Schnick Schnack und Gebettel so viel zu spielen, wie sie nur koennen! Die Jungs ließen sich jedenfalls nicht lumpen....immer und immer wieder standen sie aus dem Nichts wieder auf der Buehne, um uns noch ein kleines Staendchen extra darzubringen.
Uns sollte und hat es auch nicht gestoert....

Wir muessen von der „Baquedano“ zu der MetroStation „Universidad de Santiago“. Abfahrt vom Steig 22 mit TURBUS nach Mendoza.

Alles klar Friedrich, wie du meinst.
Ab geht die Post. Nach 8h benoetigter Fahrtzeit fuer 400 km, einmal ueber den Aconcagua, kamen wir direkt in die erste Stadt hinter der argentinischen Grenze. Da waren wir dann, wir drei deutschen Maedels mitten in Argentinien campend im „Parque Suizo(Schweiz)“ 6 km ausserhalb der Stadt (Wobei der Transport zum Satdtkern direkt vor unseren Toren abfuhr, welcher sich aus mit z.B. neongelben Fell geschmueckten Fahrkabinen der Busfahrer des jeweils zugehoerigen Busses zusammensetzten.) mitten im Gruenen mit Minimarkt, Rummel, Autokino, Pool und Baumschaukel vor dem Zelteingang.
Man muss schon sagen, nach eingehender Betrachtung dieses vergangenen Ausfluges haben wir uns gar nicht mal so dumm angestellt, was die Ueberlebensfaehigkeit in der Wildnis angeht...Da uns durch die Dichte des, uns umgebenden, Laubwaldes sogar der Blick auf die Sonne verwehrt geblieben ist, haben wir, von technischen Hilfsmitteln jeglicher Art abgeschnitten, irgendwann die Ameisenstrasse unter unserem Tisch, welche sich taeglich nach dem Standort unseres Muells neu orientierte, als natuerlich gegebene Unterstuetzung zum Ablesen der Uhrzeit nutzen gelernt. Natuerlich gab es wie jedes Mal ein paar kleine Pannen, obwohl es diesmal zur Ueberraschung aller der kleine Friedrich, statt der grossen Thesi war, der „hier“ gerufen hat, als es sich um den Platten bei unserer einzigen Fahrradtour durch die Stadt handelte.
Die minimalen Probleme bei dem Akt des Geldtausches (denn argentinische haben mit chilenischen Pesos nicht ein was gemeinsam. Ganz zu schweigen davon, dass das argentinische Geld von der Haltbarkeit, aehnlich wie Klopapier, spaetestens nach dem dritten Mal falten auseinander gefallen, und ueberall mit Telefonnummern und Notizen bekrakelt ist!) bzw. der Geldbesorgung wollen wir auch hier nur noch kurz am Rand erwaehnt haben.
In Flora und Fauna steht dieses Land unserer Heimat in nichts nach, auch wenn es sich um die Flora des Sommers handelt und eben nicht wie erwartet, um die des Winters. Ueberall gruen, Laubbaeume wohin das Auge reicht und wunderhuebsche Menschen die durch sie hindurch streifen. Hiermit ist das Raetsel um die physische Schoenheit der chilenischen Bevoelkerung endlich geklaert. Sie ist eine Raritaet und kaum auffindbar.
Die Argentinier sind in Wirklichkeit die huebschen Menschen von denen alle reden, wenn es um Suedamerika und seine Bevoelkerung geht. Somit waere dieser Mythos nun als unwahr identifiziert und aus unserem stereotypisierenden Denken eliminiert!

Haben wir wohl wieder alle was gelernt.
Es freut mich eure Aufmerksamkeit fuer kurze Zeit in Anspruch genommen haben zu duerfen.
Ich wuerde sagen: „Bis zum naechsten Mal, wenn es wieder heisst: Gruess mir mal die Margot.“