Dienstag, 26. Januar 2010

Ich sah mein Leben schon vor meinem inneren Auge vorbei ziehen!

Raptor...Kamikaze...Tsunami...Galaxy...Topspin...

Wir machen uns auf den Weg in den Parque O'Higgins. Angeblich soll man sich immer so zeitig wie moeglich dort hin begeben.
Es sind Ferien und es ist eine grosse Stadt in der wir und 5,5 Millionen andere Menschen leben.
09:30 dreht sich der letzte Schluessel im Schloss und es geht zur Metro. Alles ist im gruenen Bereich. Noch liegen wir gut in der Zeit. Die Sonne steht noch nicht so hoch und da es unter der Woche ist, sind wir den morgendlichen Arbeits-Stoss-verkehr schon erfolgreich umgangen.
Man bekommt um diese Uhrzeit sogar noch verhaeltnissmaessig gut Luft, hat man die Hintergrundinformation, das es bis jetzt noch kein richtig gut ausgekluegeltes Lueftungssystem in der U-Bahn von Santiago gibt und man als einzige Erfrichungsquelle immer wieder die Ventilatoren auf den Gehsteigen aufsuchen kann, die einen mit Wasser vollspruehen! Muss man moegen...Friedrich mag es...Ich nicht!

Schnell kristalisiert sich heraus wer sich uns anschliesst und das selbe Ziel verfolgt. Gruppen von Teenies die sich ihren Weg lauthals und mit mindestens drei gleichzeitig Musik abspielenden Cellulares in den Haenden ihren Weg durch die Massen bahnen, sind genauso unsere Begleiter wie Familien mit mindestens 2 Kindern, die schon jetzt vollkommen aufgeregt und uebermuedet sind, hat sie doch die Vorfreude hoechstwahrscheinlich die gesamte vorhergehende Nacht wach gehalten!

Die Schlange ist lang, die Sonne ist heiss und Informationen nicht ausreichend an uns vorgedrungen und somit wird uns erst kurz vor Eintritt klar, das man sich die Karten natuerlich in einer anderen Schlange besorgen muss...
Wir haben einfach kein Glueck mit sowas! Bei unserer Platzsuche bei CaminaBurana im Teatro de Universidad de Chile haben wir es uns auch erst einmal auf den schoensten Sesseln gemuetlich gemacht...Das wir allerdings auf die Fussball-aehnlichen Raenge eine Etage weiter oben gehoerten, wurde uns leider erst freundlich klar gemacht, als die wirklichen Kartenbesitzer ihre erkaufte Positionen im Saal einforderten...
Tja, dann hatten wir die Ehre auf einem im 75 Grad Winkel verlaufenen Rang, auf der obersten der obersten Reihen diese Vorstellung in unserem eigenen Sud, dank fehlender Umluftanlage, zu geniessen! Scheen jetanzt hamse sach ich dir...Genauso viel Wasser wie die Ballerinas haben wir allerdings auch ausgeschwitzt! Dit koennta mir globen.

Das Eintreten an sich war dann doch ziemlich unkompliziert. Immer einen Schritt vor den anderen und schon hatten wir die Pforten von Fantasilandia durchschritten...Die grosse weite Welt des Adrenalin lag vor uns.

Fridolin war voll in ihrem Element. Das was sie als wundervolles und angenehmes Kribbeln empfand, wurde mir zwar nach der ueberstandenen Fahrt als Ziehen im Magen und Uebelkeit von Thesi interpretiert, aber Fridolin war nicht mehr zu stoppen...
Ich, durch meine mir einzig fruehkindliche bekannte Erfahrung mit solchen Gefaehrten auf dem Hoyerswerdaer Rummel gepraegt, habe es, nachdem mich eine beherzte Hand in die erste Attraktion reingezogen hat und ich diese irgendwie ueberstanden habe, erstmal wieder langsam angehen lassen.

Klug sind sie ja die Guten. Warteschlangen vor den Atraktionen sind wie Schneckenhauser aufgebaut und ist man da einmal drin, kommt man zumindest als Europaer so schnell nicht mehr raus...Alles auf chilenische Hueftmase gebaut!

War ein wundertoller Tag. Fuer jeden etwas dabei...
Fantasialand macht Kinder froh, und RiahCandyThesi ebenso!!

Montag, 18. Januar 2010

Der Spuk hat ein Ende...











Chile ist wieder regiert.

Ich steige die letzten Treppen der Metro empor.

Oh Nein! Ich kann sie sehen. Schon wieder kann ich sie sehen.
Flaggen, Menschen...viele Menschen, Autos mit Boxen die in der Endlosschleife die eigens komponierten Titel spielt, Carabineri's, Konfetti das durch den seicht wehenden Wind wie ein Schneegestoeber auf dem warmen Asphalt wirkt...

Seit dem 17.01.2010 gegen 19:00 Uhr Ortszeit steht der neue Praesident Chiles offiziell fest.
Nach 20 Jahren der Links-Regierung, wird nun der Kurs gewechselt und die konservativen Kraefte bekommen mit der Hilfe von Sebastian Pinera die Macht in diesen Landen!
Wurde aber auch Zeit. Zum Glueck gibt es bei einer Stichwahl nicht die Chance auf eine erneute Wahl, womit wir alle von den staendig in unseren Gesichtern wedelnden Flaggen der jeweiligen Anhaenger einer entsprechenden Partei fuer immer befreit sind.
Dieses Land mag einem lange normal vorkommen, anders zwar mit den europaeischen Maßstaeben im Hinterkopf, aber trotz alledem doch irgendwie normal.
Betritt man dann allerdings, wenn auch nur aus Versehen das Gebiet der Politik, wird es sehr eigenartig, fast suspekt und man fuehlt das spaetestens dies der Punkt ist an dem sich die Geister scheiden.
Man bekommt als Staatsbuerger dieses Landes die einmalige Gelegenheit sich mit dem Eintritt in das 18te Lebensjahr dafuer zu entscheiden, ob man an den Wahlen teilnehmen moechte oder nicht. Will man nicht, macht man es nicht. Nie mehr! Dies ist eine entgueltige Entscheidung auf Lebenszeit.
Somit ist mindestens die Haelfte der Bevoelkerung bei so einer Wahl des Staatspraesidenten schon mal aussen vor.
Die uebriggebliebene Haelfte, die sich ebenfalls auf Lebenzeit verpflichtet, hat allerdings an einem harten Stueckchen Brot zu knabbern. Kommt man ohne vorhergehend fundamentale Entschuldigung im zustaendigen Amt der Carabineri's nicht zur Wahlurne, wird einem ein Bussgeld aufgehalst, welches sich umgerechnet auf 300 € bezieht, und bei Geldfluss-verstopfung mit einem Aufenthalt von 3 Tagen im Gefaengnis aufgerechnet wird.
Ebenfalls ist es Brauch sich immer wieder in der Stadt der persoenlichen ersten Teilnahme zu melden, das bedeutet fuer Einige einen weiten Weg. Man beachte die Distanzen die es hier zu bestreiten gilt,kommt es doch zu oft vor, das man sich zweimal alle vier Jahre an der Urne trifft um sich dem 50%+1 Mehrheits-prinzip dieses Staates zu beugen, das ein jeder erreichen muss, will er das heiss begehrte Amt einmal als das seinige bezeichnen.
In den vergangen Tagen wurde noch einmal alles, an zur Verfuegung stehenden Artillerie, aufgefahren.
Jedes kleine Kind, was in der Lage ist zu wiederholen, kennt den politischen Liebling seiner Eltern und hat, wenn selbst kaum faehig eigenhandig aus einem vollen Glas zu trinken, gelernt eine Fahne zu halten.
Komplette Strassenkreuzungen wurden waehrend jeder Rotphase von den feiernden Massen in Beschlag genommen und dabei von zusammengewuerfelten und improvisierten Fanfarenzuegen unterstuetzt und angeheizt.

Vorbei der Mai kann ich da nur sagen.
Mal schauen wie sich der neue Mann an der Spitze, nebenbei bemerkt auch der Besitzer der wichtigsten Fluggesellschaft (LAN CHILE) und einem der fuenf manchmal gut empfangbaren Kabelferhsehsender (CHILE VISION), machen wird.
Wenn wir, nein, der restliche Teil der Bevoelkerung Pech hat, enden sie vielleicht alle in einem Gruselkabinett, aehnlich wie wir bei unserem letzten Ausflug ins Fantasilandia...
Dran bleiben lohnt sich!